Die Entwicklung einer ganzheitlichen Herangehensweise zur Aggregation und Bewertung von Treibhausgasen mag entscheidend für deren Begrenzung sein, aber ein solches Projekt ist auch unglaublich komplex. Wie kann ein solches Unternehmen dennoch gelingen?
WA: Indem wir die nötigen Kompetenzen in unserem Projekt zusammengebracht haben. Alle beteiligten Partner darin erlebe ich als hochkompetent und sehr motiviert, mit klarem Fokus auf konkrete und greifbare Ergebnisse. Unsere Industriepartner Miele und GEA sind Mit-Anforderungsgeber und Anwendungspartner, die Universität Paderborn bringt ihre hohe Kompetenz zur Ermittlung der Energieeffizienz und Maßnahmenentwicklung ein, die Universität Bielefeld kümmert sich mit ihrer großen Expertise um den sicheren Datenaustausch, und wir bei NTT DATA Business Solutions setzen die Ergebnisse in konkrete Lösungen für die jeweiligen Geschäftsprozesse um, die bei unseren Projektpartnern und anderen Kunden implementiert werden können.
NTT DATA Business Solutions macht also im Gesamtprozess die Daten für die Unternehmen greifbar und sichtbar, richtig?
WA: Genau. Das Hauptziel des Projekts ist es, die Treibhausgasemissionen transparent für jedes Produkt und die daran beteiligten Akteure abzubilden. Entscheidend ist dabei, dass am Ende daraus die richtigen Konsequenzen gezogen werden können und zwar über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Bei unseren Projektpartnern zum Beispiel liegt ein großes Augenmerk darauf, die CO2e-Emissionen nicht nur in der eigenen Produktion zu reduzieren, sondern auch später im Betrieb, damit ihre Kunden bei der Nutzung ihrer Produkte weniger CO2e verbrauchen.
PD: Oder indem man tief in die Beschaffungslogistik eintaucht, um Transportemissionen bei anderen Unternehmen zu vermeiden. Es geht also nicht nur darum, dass man selbst in der Lieferkette weniger CO2e ausstößt, sondern auch, dass man seinen eigenen Einfluss auf die Wertschöpfungskette mit im Blick hat.
Diese Lieferkette ist oft global. Wie wichtig ist es dabei, dass das Wissen aus diesem Projekt in Software eingebracht wird, die global genutzt werden kann?
WA: Sehr wichtig. SAP als weltweit führender ERP-Softwareanbieter ist ein großer globaler Player und hat damit die entsprechende Marktdurchdringung. SAP hat bereits vor einiger Zeit damit angefangen, Lösungen für das Emissionstracking zu entwickeln und sein Produktportfolio hier entsprechend zu erweitern. Was aber unter anderem fehlt: die konkrete Umsetzung für die einzelnen Unternehmen. Es liegt in der Natur dieser Sache, dass man hier kein Produkt von der Stange kaufen beziehungsweise einfach eine Standardlösung einsetzen kann. Die Vorstellung von Unternehmen, dass die Erhebung der CO2e-Ausstoßmengen schon allein dadurch funktioniert, dass man sich die entsprechende Software anschafft, ist schlicht falsch. Der Prozess der Erhebung greift tief in die Unternehmensstruktur ein und erfordert Daten aus verschiedensten Bereichen.
PD: Unsere Aufgabe ist es, unsere Kunden bei der Ermittlung und Erhebung der relevanten Daten zu unterstützen, die Anforderungen für ein normgerechtes Carbon Footprint Tracking transparent und die Umsetzung mit den SAP-Lösungen möglich zu machen. Das Projekt Climate bOWL hilft uns auf diesem Weg enorm. Aber natürlich werden wir den Weg auch nach dem Projektende weitergehen.
Wo werden sie in zehn Jahren sein?
WA: In zehn Jahren wird es ein absolutes Muss sein, dass Carbon-Footprint-Daten erhoben und transparent dargestellt werden. Die einheitliche und normgerechte Datenerhebung wird genauso zum Standard geworden sein wie die sichere Datenübertragung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Bei der Produktentwicklung und im internationalen Wettbewerb wird die Vermeidung von CO2e-Emissionen dabei eine immer wichtigere Rolle spielen. Da bin ich mir ganz sicher.