Von der Massenproduktion zur patientenorientierten Behandlung
Pharmahersteller verzeichnen aktuell Riesenfortschritte bei der Erforschung „moderner“ Arzneimittel und Behandlungsmethoden. Medikamentöse Behandlungen orientieren sich immer stärker am Patienten, mit dem Ziel, individuelle Therapien bereitzustellen, statt Standardarzneien für eine breite Masse von Patientinnen und Patienten. Trendbeobachter der Pharma- und Technologiebranche gehen mittlerweile sogar davon aus, dass maßgeschneiderte Behandlungsmethoden in nicht allzu ferner Zukunft die Norm sein werden. Die Integration intelligenter Technologien wie beispielsweise des Internets der Dinge wird bei der Entwicklung personalisierter Behandlungsansätze eine entscheidende Rolle spielen. Von der Diagnose über die Herstellung bis hin zum Vertrieb.
Standardisierte Arzneimittel sind nicht länger haltbar
Doch weshalb dieser starke Fokus auf maßgeschneiderte Behandlungsmethoden? Das liegt vor allem daran, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Menschen Probleme mit herkömmlichen, standardisierten Arzneimitteln hat. Selbst Patientinnen und Patienten mit den gleichen körperlichen Beschwerden können von unterschiedlichen Arzneiprodukten profitieren. Denn was bei einer Person wirkt, kann bei einer anderen schwerste Nebenwirkungen hervorrufen. Der einzige Weg für einen Allgemeinarzt herauszufinden, welches Medikament für einen Patienten oder eine Patientin wirksam sein könnte, ist die aufgrund der durchgeführten Untersuchungen und Angaben des Patienten erstellte Diagnose. Mit anderen Worten: Es gibt aktuell keine objektiv messbaren Parameter, so dass der Befund normalerweise lediglich eine Momentaufnahme darstellt. Natürlich kann der Patient oder die Patientin für weitere Untersuchungen an einen Spezialisten überwiesen werden, doch dabei handelt es sich oftmals um einen langwierigen Prozess, der eine Unmenge an Ressourcen erfordert. Hier kommt das Internet der Dinge ins Spiel. Es optimiert den Prozess und stellt kontinuierlich – objektive – Daten zur Verfügung.
„Medikamentöse Behandlungen orientieren sich immer stärker am Patienten, mit dem Ziel, individuelle Therapien bereitzustellen, statt Standardarzneien für eine breite Masse von Patientinnen und Patienten.“ – Patrick Henze, Head of CoE Life Science Solution Design
Wie das IoT die Diagnostik beschleunigt
Auch wenn in Fällen, in denen eine Ursache für gesundheitliche Probleme nicht direkt ermittelt werden kann, immer ein Spezialist hinzugezogen werden sollte, können IoT-Sensoren das Diagnoseverfahren erheblich beschleunigen. Diese Untersuchungen sind für Patienten weniger invasiv und zeitaufwändig, da die für die Diagnostik erforderlichen Tests und Kontrollen stattdessen digital durchgeführt werden können. Denken Sie nur an biometrische Wearables, die Elektrokardiogramme durchführen, Schlafphasen überwachen, die elektrodermale Aktivität messen, um das Stressniveau zu bestimmen, oder den Sauerstoffgehalt des Blutes, die Atemfrequenz und die Hauttemperatur überprüfen. Geht man noch einen Schritt weiter, landet man bei implantierten oder verschluckbaren Geräten, wie beispielsweise Sensoren an Herzschrittmachern oder Pillensensoren in Form der sogenannten „digitalen Pille“. Auch digitale Zwillinge können zu einer weniger invasiven Diagnostik beitragen. Der Einsatz von Sensoren zur Beurteilung der Patientengesundheit trägt zudem dazu bei, dass Patientinnen und Patienten bereits frühzeitig notwendige Medikamente erhalten.
Biometrische Sensoren machen dabei auf Probleme wie beispielsweise steigende Blutzuckerwerte aufmerksam, bevor Patienten sich derer überhaupt bewusst werden. Darüber hinaus ersparen unauffällige Wearables oder einnehmbare Medizinprodukte Patientinnen und Patienten den Weg ins Krankenhaus und machen die Durchführung weiterer Tests überflüssig, da die zur Analyse benötigten Daten dem Krankenhaus so bereits automatisch zur Verfügung gestellt werden können.
Biometrische Sensoren für eine bessere Diagnostik
Die Diagnosekapsel von Atmo ist ein großartiges Beispiel für ein nicht-invasives, biometrisches Messverfahren, die sogenannte Kapselendoskopie. Diese mit IoT versehene, vom Patienten einzunehmende Kapsel misst kontinuierlich verschiedene Gase innerhalb des Magen-Darm-Trakts und übermittelt die gemessenen Daten an einen Spezialisten. Sie ist bis zu 10.000 Mal präziser als aktuelle Atemtestverfahren und die Patientinnen und Patienten können während der Diagnostik problemlos weiter ihrem Alltag nachgehen.
Die Zukunft der Pharmaindustrie
Dies sind nur einige der unzähligen Möglichkeiten, wie das IoT die Diagnostik in Zukunft optimieren und dazu beitragen kann, Zeit und Ressourcen zu sparen – und einen oftmals langwierigen, nicht immer angenehmen Prozess komfortabler zu machen.
In unserem nächsten Blogbeitrag aus dieser kurzen Reihe wollen wir zeigen, wie das Internet der Dinge pharmazeutischen Forschungsabteilungen helfen kann, einzelne Forschungsstadien und klinische Studien zu beschleunigen. Außerdem werden wir erläutern, welche Vorteile die personalisierte Medizin und die damit einhergehende Auftragsfertigung für Pharmahersteller mit sich bringt.
Lesen Sie den zweiten Blogbeitrag unserer Reihe: Wie das IoT die Arzneimittelherstellung transformiert
Zu Teil 2 der Blogreihe