Blogreihe: Wie das Internet der Dinge (IoT) die Pharmaindustrie revolutioniert
Patrick Henze | März 4, 2022

Wie das IoT die Schulmedizin revolutioniert

Das richtige Medikament oder die richtige Behandlung zur richtigen Zeit. Das ist das Heilsversprechen von personalisierter Medizin, Wearables und verschluckbaren Sensoren. In dieser Blog-Reihe beleuchten wir das Potenzial des Internets der Dinge (IoT) für die pharmazeutische Industrie. Dabei handelt es sich nicht nur um die vielversprechendste, sondern auch um die einsatzfähigste technische Option zur Optimierung der Ende-zu-Ende-Kette in der Pharmabranche. Im ersten Teil wollen wir uns auf die Vorteile von IoT bei der Diagnosestellung konzentrieren und erläutern, wie IoT die biometrische Messung revolutionieren kann.

IoT revolutioniert die traditionelle Medizin

Sie werden mir sicherlich zustimmen, wenn ich sage, dass wir es beim Internet der Dinge nicht mit einer wirklich neuen Technologie zu tun haben. Mittlerweile ist fast jede Fabrik, jedes Unternehmen, jedes Fahrzeug, jede Infrastruktur sowie jedes Zuhause mit Sensoren ausgestattet. Und Entwickler sind sich der Möglichkeiten – und Grenzen – des IoT vollends bewusst. Das macht es zu einem idealen und vor allem sicheren Werkzeug für die Pharmaindustrie. Wenn wir das Internet der Dinge dazu nutzen, hochgradig sensible und kritische Fabrikanlagen zu überwachen, warum sollten wir es dann nicht auch dafür einsetzen, um präzisere Erkenntnisse über unsere Patientinnen und Patienten zu gewinnen?

Die Pharmaindustrie im Zeichen des Fortschritts

Die Pharmaindustrie ist im Hinblick auf den Einsatz neuer Technologien gemeinhin eher zurückhaltend. Der Grund für dieses zögerliche Digitalisierungsverhalten ist jedoch weniger einer grundsätzlichen Abneigung geschuldet, als vielmehr das Ergebnis berechtigter Befürchtungen im Zusammenhang mit den üblicherweise sehr hohen Compliance-Anforderungen, Regeln und Richtlinien, langwierigen Arzneimittelzulassungsverfahren und Bedenken im Hinblick auf die Gewährleistung der Arzneimittelsicherheit. Das bedeutet nicht, dass Pharmaunternehmen im Wettlauf um die Zukunft hinterherhinken. Im Gegenteil.

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Das richtige Medikament oder die richtige Behandlung zur richtigen Zeit. Das ist das Heilsversprechen von personalisierter Medizin, Wearables und verschluckbaren Sensoren.

Patrick Henze Head of CoE Life Science Solution Design

Von der Massenproduktion zur patientenorientierten Behandlung

Pharmahersteller verzeichnen aktuell Riesenfortschritte bei der Erforschung „moderner“ Arzneimittel und Behandlungsmethoden. Medikamentöse Behandlungen orientieren sich immer stärker am Patienten, mit dem Ziel, individuelle Therapien bereitzustellen, statt Standardarzneien für eine breite Masse von Patientinnen und Patienten. Trendbeobachter der Pharma- und Technologiebranche gehen mittlerweile sogar davon aus, dass maßgeschneiderte Behandlungsmethoden in nicht allzu ferner Zukunft die Norm sein werden. Die Integration intelligenter Technologien wie beispielsweise des Internets der Dinge wird bei der Entwicklung personalisierter Behandlungsansätze eine entscheidende Rolle spielen. Von der Diagnose über die Herstellung bis hin zum Vertrieb.

Standardisierte Arzneimittel sind nicht länger haltbar

Doch weshalb dieser starke Fokus auf maßgeschneiderte Behandlungsmethoden? Das liegt vor allem daran, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Menschen Probleme mit herkömmlichen, standardisierten Arzneimitteln hat. Selbst Patientinnen und Patienten mit den gleichen körperlichen Beschwerden können von unterschiedlichen Arzneiprodukten profitieren. Denn was bei einer Person wirkt, kann bei einer anderen schwerste Nebenwirkungen hervorrufen. Der einzige Weg für einen Allgemeinarzt herauszufinden, welches Medikament für einen Patienten oder eine Patientin wirksam sein könnte, ist die aufgrund der durchgeführten Untersuchungen und Angaben des Patienten erstellte Diagnose. Mit anderen Worten: Es gibt aktuell keine objektiv messbaren Parameter, so dass der Befund normalerweise lediglich eine Momentaufnahme darstellt. Natürlich kann der Patient oder die Patientin für weitere Untersuchungen an einen Spezialisten überwiesen werden, doch dabei handelt es sich oftmals um einen langwierigen Prozess, der eine Unmenge an Ressourcen erfordert. Hier kommt das Internet der Dinge ins Spiel. Es optimiert den Prozess und stellt kontinuierlich – objektive – Daten zur Verfügung.

„Medikamentöse Behandlungen orientieren sich immer stärker am Patienten, mit dem Ziel, individuelle Therapien bereitzustellen, statt Standardarzneien für eine breite Masse von Patientinnen und Patienten.“ – Patrick Henze, Head of CoE Life Science Solution Design

Wie das IoT die Diagnostik beschleunigt

Auch wenn in Fällen, in denen eine Ursache für gesundheitliche Probleme nicht direkt ermittelt werden kann, immer ein Spezialist hinzugezogen werden sollte, können IoT-Sensoren das Diagnoseverfahren erheblich beschleunigen. Diese Untersuchungen sind für Patienten weniger invasiv und zeitaufwändig, da die für die Diagnostik erforderlichen Tests und Kontrollen stattdessen digital durchgeführt werden können. Denken Sie nur an biometrische Wearables, die Elektrokardiogramme durchführen, Schlafphasen überwachen, die elektrodermale Aktivität messen, um das Stressniveau zu bestimmen, oder den Sauerstoffgehalt des Blutes, die Atemfrequenz und die Hauttemperatur überprüfen. Geht man noch einen Schritt weiter, landet man bei implantierten oder verschluckbaren Geräten, wie beispielsweise Sensoren an Herzschrittmachern oder Pillensensoren in Form der sogenannten „digitalen Pille“. Auch digitale Zwillinge können zu einer weniger invasiven Diagnostik beitragen. Der Einsatz von Sensoren zur Beurteilung der Patientengesundheit trägt zudem dazu bei, dass Patientinnen und Patienten bereits frühzeitig notwendige Medikamente erhalten.

Biometrische Sensoren machen dabei auf Probleme wie beispielsweise steigende Blutzuckerwerte aufmerksam, bevor Patienten sich derer überhaupt bewusst werden. Darüber hinaus ersparen unauffällige Wearables oder einnehmbare Medizinprodukte Patientinnen und Patienten den Weg ins Krankenhaus und machen die Durchführung weiterer Tests überflüssig, da die zur Analyse benötigten Daten dem Krankenhaus so bereits automatisch zur Verfügung gestellt werden können.

Biometrische Sensoren für eine bessere Diagnostik

Die Diagnosekapsel von Atmo ist ein großartiges Beispiel für ein nicht-invasives, biometrisches Messverfahren, die sogenannte Kapselendoskopie. Diese mit IoT versehene, vom Patienten einzunehmende Kapsel misst kontinuierlich verschiedene Gase innerhalb des Magen-Darm-Trakts und übermittelt die gemessenen Daten an einen Spezialisten. Sie ist bis zu 10.000 Mal präziser als aktuelle Atemtestverfahren und die Patientinnen und Patienten können während der Diagnostik problemlos weiter ihrem Alltag nachgehen.

Die Zukunft der Pharmaindustrie

Dies sind nur einige der unzähligen Möglichkeiten, wie das IoT die Diagnostik in Zukunft optimieren und dazu beitragen kann, Zeit und Ressourcen zu sparen – und einen oftmals langwierigen, nicht immer angenehmen Prozess komfortabler zu machen.

In unserem nächsten Blogbeitrag aus dieser kurzen Reihe wollen wir zeigen, wie das Internet der Dinge pharmazeutischen Forschungsabteilungen helfen kann, einzelne Forschungsstadien und klinische Studien zu beschleunigen. Außerdem werden wir erläutern, welche Vorteile die personalisierte Medizin und die damit einhergehende Auftragsfertigung für Pharmahersteller mit sich bringt.

Lesen Sie den zweiten Blogbeitrag unserer Reihe: Wie das IoT die Arzneimittelherstellung transformiert

Zu Teil 2 der Blogreihe

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