Drei Trends für eine nachhaltige Extralogistik

Jedes Jahr rollen rund 263 Millionen Lkw und Sattelzugmaschinen über Straßen in Deutschland, um alle möglichen Waren von A nach B zu transportieren. Damit liegt der inländische Gütertransport per Lkw deutlich vor dem per Eisenbahn, Binnenschiff oder Flugzeug. Und das hat Gründe: Der Ausbau des Straßennetzes wurde von der Politik lange intensiv vorangetrieben, die Besteuerung von Diesel ist vergleichsweise gering.

Nun findet allerdings offenbar ein Umdenken statt: Denn der Verkehr auf der Straße – mit von Verbrennungsmotoren angetriebenen Fahrzeugen – trägt erstens deutlich zum Gesamtaufkommen der CO2-Emissionen in Deutschland bei. Zweitens ist die Straßeninfrastruktur vielerorts an ihre Grenzen gestoßen. Insbesondere in den Städten. Beides wird von vielen Menschen immer weniger toleriert. Und das bringt viele Unternehmen mit Blick auf die Extralogistik in Zugzwang. Und das nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene. Denn die aktuellen Entwicklungen sind global.

Hinzu kommt eine weitere Herausforderung: Es droht sehr bald ein Fahrermangel. In den kommenden zehn Jahren geht ein Drittel aller deutschen Berufskraftfahrerinnen und -fahrer in Rente. Nachwuchs kommt nicht im gleichen Maße nach. Auch diese Situation ist in zahlreichen Staaten ähnlich.

Unternehmen arbeiten deshalb unter Hochdruck an Lösungen. Drei Trends kristallisieren sich dabei als besonders vielversprechend heraus, weil sie nicht nur erkennbare Effekte zeitigen, sondern auch bereits praxistauglich sind – oder es bald sein werden:

Extralogistik-Trend 1: Digitalisierung

Fast die Hälfte aller Transporte in Deutschland sind Leerfahrten, was jährlich etwa 6,5 Milliarden gefahrenen Kilometern ohne Ladung entspricht. Außerdem sind Lkw, deren Fläche nicht voll genutzt wird, eher die Regel als die Ausnahme. Durch mehr Effizienz ließe sich also leicht einiges erreichen: weniger Fahrten, geringere Emissionen, freiere Straßen, niedrigere Kosten. Effizienzgewinne wie diese ergeben sich fast immer aus dem Einsatz von digitalen Technologien, weil dafür Daten erfasst, zusammengeführt und ausgewertet werden müssen. So können Algorithmen zum Beispiel berechnen, wie Ressourcen, Lieferungen und Routen organisiert sein sollten, um die Kapazitäten der Transportmittel optimal zu nutzen. Werden dabei auch Echtzeit-Daten berücksichtigt, lässt sich ad hoc auf Änderungen reagieren.

Extralogistik-Trend 2: Alternative Antriebe

Beim innerstädtischen Lieferverkehr werden schon heute Nutzfahrzeuge mit Elektromotor eingesetzt – bis zu einer Distanz von 400 Kilometer ist das mittlerweile auch wirtschaftlich rentabel. Müssen weitere Strecken zurückgelegt oder sehr schwere Lasten transportiert werden, reichen die momentan verfügbaren Batterien aber noch nicht aus. Wann sich das ändert – und das zu akzeptablen Kosten –, ist allerdings fraglich. Eine interessante Alternative könnten daher Fahrzeuge mit wasserstoffbasierten Antrieben sein, die als Elektromotor und als Verbrennungsmotor umgesetzt werden können. Geforscht wird außerdem an Verbrennungsmotoren, die etwa Erdgas, Ethanol oder Biomethan als Kraftstoffe nutzen. All diese Antriebsformen emittieren mittelbar kein CO2, eventuell aber mittelbar – je nachdem, aus welcher Quelle der Strom stammt. Und sie entlasten nicht die Infrastruktur.

Extralogistik-Trend 3: Autonome Fahrzeuge

(Teil)autonom fahrende Lkw sind in Deutschland bereits in der Testphase. Zum Beispiel am Hamburger Hafen. Dort sind Fahrzeuge von MAN eigenständig für den Transport sowie das Be- und Entladen von Waren zuständig, während menschliche „Sicherheitsfahrer“ digitale Frachtpapiere und Protokolle ausfüllen, mit Kunden kommunizieren und das System überwachen. Bei Bedarf, können sie natürlich jederzeit eingreifen.

Vorteilhaft ist der Einsatz von autonomen Fahrzeugen nicht nur wegen der sich abzeichnenden Knappheit an menschlichen Fahrerinnen und Fahrern. Darüber hinaus wird der Kraftstoffverbrauch signifikant reduziert, der Verkehrsfluss wird positiv beeinflusst und die Sicherheit nimmt zu. Pro Kilometer kann das zu einer Kostenersparnis von bis zu 40 Prozent führen. Experten schätzen, dass autonome Lkw ab 2025 stufenweise auf den Straßen unterwegs sein werden. Voraussetzung dafür ist, dass die erforderliche Infrastruktur aufgebaut und die rechtlichen Rahmenbedingungen formuliert werden.

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-von Mersun Sezer, Head of CoE Advanced Logistics Warehouse & Transportation, NTT DATA Business Solutions AG –
E-Mail: [email protected]

 

Mersun Sezer
Mersun Sezer
Head of CoE Advanced Logistics Warehouse & Transportation, NTT DATA Business Solutions AG

Since 2001, Mersun Sezer has been working in the field of logistics consulting, initially with a focus on logistics in online commerce. From the first project, he has been specialized on SAP solutions for Materials Management, Warehouse Management, and Auto ID Solutions. In recent years, Mersun Sezer has begun to focus more and more on solutions in the Supply Chain Execution environment. Today, amongst other things, he is as Head of CoE Advanced Logistics responsible for all Warehouse and Transportation topics at NTT DATA Business Solutions Germany.

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