Herr Janitz, im Geschäftsjahr 2024 waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen alles andere als gut – wie lief es in Ihrem Bereich?
In der Tat haben auch wir den Druck im Markt gespürt, zum Beispiel haben sich einige Kunden mit Neuausschreibungen zurückgehalten – vermutlich vor allem, um damit verbundene finanzielle Risiken sowie Mehrkosten durch die Transition zu vermeiden. Kunden ließen bezüglich Investments noch mehr Vorsicht walten, und bei einigen Unternehmen in bestimmten Branchen waren die kommerziellen Auswirkungen der geopolitischen Situation noch gravierender. Nichtsdestotrotz eröffnet die aktuelle Dynamik im Markt auch neue Chancen, sodass ich optimistisch in die Zukunft blicke. Diese Sicht wird nicht zuletzt durch unser organisches Wachstum im Managed-Services-Bereich im Geschäftsjahr 2024 von fast 20 Prozent unterstrichen. Und auch für die absehbare Zukunft gehe ich von einem signifikanten Zugewinn im Markt für Managed Services aus.
Für Ihre Managed Cloud Services sind die Rahmenbedingungen zur Zeit nicht einfach. Vor allem SAPs Cloud-Transformation-Programme RISE und GROW mit darunterliegender Cloud- Infrastruktur bei SAP oder beim Hyperscaler verursachen Druck auf Teile Ihres Service- Portfolios. Wie gehen Sie damit um?
Diese Thematik ist für uns ein Balance-Akt: Wir sind ein loyaler und starker Partner der SAP, der deren Strategie grundsätzlich mitgeht und unterstützt, aber wir wollen natürlich auch unsere Kundenbasis behalten und Kunden unterstützen, die aus unterschiedlichen Gründen den Weg der ERP-Cloud-Transformation nicht so direkt gehen können. Und wir beachten die aktuelle geopolitische Situation sowie deren Auswirkungen auf die IT. Themen wie Datensicherheit, Compliance oder Sovereign Cloud gewinnen zunehmend an Bedeutung, sodass beispielsweise nicht alle Kunden problemlos in die von einem der drei führenden amerikanischen Hyperscaler bereitgestellten Cloud-Infrastrukturen wechseln können – Stichwort „digitale Souveränität“. Für diese Firmen kann unsere Private Cloud eine probate Alternative sein, was wir auch an der Nachfrage spüren. Und wir arbeiten eng mit der SAP im Bereich Sovereign Cloud zusammen.
Wo sehen Sie weitere Chancen auf dem Markt?
Mit unserem flexiblen und mehrschichtigen Portfolioansatz sind wir auf die meisten Herausforderungen gut vorbereitet. So bildet unser stetig wachsender Umsatz als strategischer Unterauftragnehmer der SAP mittlerweile eine stabile Säule unseres Business. Wenn also ein Private-Cloud-Kunde aus unserem Rechenzentrum mittels RISE zur SAP oder einem Hyperscaler wechselt, haben wir zumindest die Option, die technischen Managed Services für ihn im Unterauftrag der SAP zu liefern. Dies hat sich zu einem der größten Einzelverträge für die NTT DATA Business Solutions entwickelt. Weihnachten 2024 haben wir die Verlängerung für 3 plus 2 weitere Jahre unterschrieben und die Voraussetzungen geschaffen, um in diesem Umfeld weiter zu wachsen. Somit partizipieren wir indirekt an der RISE-Strategie der SAP. In dem Zusammenhang unterstützen wir die SAP auch in den neusten Innovationsthemen wie BTP, BDC oder Business AI.
Bleiben wir beim Wachstum – neben dem Mittelstand sind auch größere Konzerne in ihren Fokus gerückt. Was versprechen Sie sich davon?
Angestoßen wurde die Initiative 2024 von Abhijit Dubey, dem CEO der NTT DATA Inc. Der Erfolg des Business der NTT DATA Business Solutions soll in der NTT DATA stärker auf den Large-Enterprise-Bereich ausgedehnt werden. Unser CEO Norbert Rotter und ich haben die Aufgabe erhalten, in Abstimmung mit den Kernländern der NTT DATA Inc. dafür ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten und eine eng an unser Unternehmen angelehnte sogenannte SAP@LE Global Practice zu etablieren. Nach intensiven Vorbereitungsarbeiten wurde diese neue Einheit zum 1. April dieses Jahres offiziell ins Leben gerufen.
Wo stehen Sie inzwischen mit der Initiative?
Aktuell befinden wir uns in den finalen Zügen der Startphase. Es galt, zuerst die nötige Transparenz zum bestehenden SAP-Business im LE-Bereich in der Gruppe inklusive Herausforderungen und Chancen zu schaffen, eine regionale Bestandsaufnahme des Business durchzuführen und die zugehörigen Einheiten zu bündeln. Damit wird die Basis gelegt, um in den kommenden Monaten anzugreifen. Hierzu zählt auch, gezielt Fachleute in Vertrieb, Portfolio-Management und Delivery mit Erfahrung im Großkundenbereich einzustellen und vor allem die Synergieeffekte in der Gruppe zu nutzen. Zumindest in der Anfangsphase werden wir einen evolutionären Weg gehen, um uns in diesem Kundensegment zu etablieren, bevor wir aktiv auch die globalen Großkonzerne angehen werden.
Um welche Kundenunternehmen geht es dabei?
Vergangenes Jahr haben wir im von mir verantworteten Bereich die Einheit der Multinational Clients aufgebaut. Mit global orientierten Account Manager:innen, Presales sowie Projekt- und Service-Manager:innen – unterstützt von einer skalierbaren und kosteneffizienten globalen Delivery – fokussieren wir auf internationale Unternehmen im sogenannten Lower-Large-Enterprise-Segment. Je nach den speziellen Rahmenbedingungen der Länder handelt es sich um Kunden mit um die zehn Milliarden Euro Jahresumsatz. Im nächsten Schritt peilen wir Firmen bis zu einer Größe von 20 Milliarden Euro an. Dabei adressieren wir anfangs vor allem die Märkte in Deutschland, Großbritannien und den USA. Wenn jedoch andere Länder der NTT DATA Inc. Business Opportunities im SAP-Großkundenbereich sehen, werden wir diese natürlich genauso unterstützen wie die Mittelstandskunden unseres Unternehmens.
Welche Unterstützung versprechen Sie sich dabei von der Gruppe?
Zwar haben wir bereits ein starkes globales Backbone, aber angesichts der Anforderungen im Großkundenbereich inklusive der SAP-Offerings für Großkunden müssen wir dieses weiter ausbauen. Die Gruppe unterstützt uns mit gemeinsamen Initiativen etwa bei der Lieferplattform für Managed Services – der Basis für IT-Service-Management, Konfigurationen oder AI-Lösungen. Hier müssen wir nicht alles selbst erfinden, sondern können von bestehenden Lösungen und dem Know-how der Gruppe partizipieren. Eine unserer Aufgaben ist dann vor allem die Integration der spezifischen Anforderungen im SAP-Service-Umfeld. So skalieren wir deutlich schneller und sind effizienter – das ist auch nötig, denn die notwendigen Investitionen sind riesig.
Können Sie die gemeinsame Plattform bitte kurz beschreiben?
Wir haben 2024 ein strategisches Projekt begonnen, um wesentliche Bausteine unserer Delivery-Plattform innerhalb von maximal drei Jahren auf die Standardsoftware ServiceNow umzustellen. Für die Bereiche ITSM und ITOM setzen wir bislang selbst entwickelte Lösungen – teilweise auf Basis des SAP Solution Managers – ein. Da auch für diesen seitens SAP das Ende der Wartung verkündet wurde, haben wir entschieden, einen klaren Schnitt zu machen. Natürlich sind die Pläne ambitioniert und speziell aus Kapazitätssicht auch nur schwierig umzusetzen. Aber immerhin ist es positiver Stress, der unter anderem dafür sorgt, dass die ganze Organisation an einem Strang zieht und zukunftsfähig bleibt.
Was versprechen Sie sich vom Umstieg?
Für uns deutlich mehr Effizienz, für die Kunden noch höhere Qualität und für beide Seiten mehr Innovation. Wir verfügen über eine enge Partnerschaft mit ServiceNow und wollen an deren Standards und Innovationen partizipieren. Und wir haben 2024 mit Aoop eine auf ServiceNow spezialisierte Firma in Brasilien übernommen, die uns mit ihrer Erfahrung und Kompetenz auch im internen Projekt unterstützen kann. Der Schritt bedeutet einen Paradigmenwechsel bei Managed Services für uns, der in der Übergangszeit durch den parallelen Betrieb beider Lösungen eine echte Herausforderung wird. Aber wenn das Projekt abgeschlossen ist, macht uns die neue Plattform mittelfristig deutlich skalierbarer und innovativer. Zudem hilft uns das bei der Integration in die ONE NTT Platform der NTT DATA Inc. Dies ist insbesondere für Portfolio-übergreifende Service-Engagements wichtig.
Wie gestaltet sich generell die operative Zusammenarbeit mit der NTT DATA Inc.?
Wir haben klar abgegrenzte Aufgaben mit einem dedizierten Portfolio und einer eigenen P&L-Verantwortung für das SAP-Business und zusätzlich auch für den Large-Enterprise-Bereich. Aber auf der operativen Ebene wachsen wir immer mehr zusammen. Das spiegelt auch die Anforderungen des Marktes: Viele große Kunden wollen ein umfassendes Service-Angebot bekommen und nicht nur über SAP-Leistungen reden. Dabei liegt die Account-Verantwortung in den Ländern der Inc., wobei der jeweils verantwortliche Account Manager gemeinsam mit den globalen Practices sogenannte Multi-Tower-Angebote beim Kunden platziert. Wir unterstützen den Vertriebsprozess mit dedizierten Mitarbeitenden aus Solution Sales, Presales und Solutioning. Dass wir operativ eng kooperieren, sieht man auch an konkreten Zahlen: Unser Umsatz aus den gemeinsam in der Gruppe gewonnenen Collaboration-Deals stieg von 2022 bis 2024 um rund 42 Prozent.
Die spannendste Baustelle zur Zeit ist KI – wie sehen Ihre Initiativen in diesem Bereich aus?
AI und Automatisierung sind wesentliche Bausteine unserer Innovation hinsichtlich interner Effizienzsteigerung und Anreicherung des Service-Portfolios. Hierbei können wir ebenfalls auf die Unterstützung der Gruppe bauen, die zentrale Innovationsthemen koordiniert und auch entsprechende Investments bereitstellt. Im Bereich Managed Services haben wir beispielsweise ein eigenes Center of Excellence etabliert, das KI-Services für uns und unsere Kunden entwickelt. Ein Einsatzbeispiel ist die Voranalyse von Service-Tickets mittels KI, was deren Anzahl deutlich reduziert und unsere Effizienz gesteigert hat. Solche Erfahrungen und erprobte Tools geben wir auch an Kunden weiter, um sie bei der Optimierung ihrer IT-Prozesse zu unterstützen. Aber realistisch betrachtet: Wir stehen bei der KI erst am Anfang der Entwicklung. Das Potenzial ist riesig, und bisher wurde sicherlich nur ein Bruchteil der möglichen Einsatzfelder identifiziert. Auch deswegen sehe ich viele Gründe für Optimismus.