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Daniela Siekmann | August 3, 2022 | 4 min read

Digitalisierung und Diversität – wie passt das zusammen?

Die Digitalisierung hat heute nahezu jeden Lebensbereich erreicht und ist zu einem bestimmenden Faktor unserer Zeit geworden – auch in der Wirtschaft. In gewisser Weise handelt es sich um eine flächendeckende digitale Vereinheitlichung. Gleichzeitig wird der Ruf nach mehr Diversität laut. Vor diesem Kontext kommt die berechtigte Frage auf, inwiefern die fortschreitende Digitalisierung und die gleichzeitige Forderung nach mehr Vielfalt miteinander interagieren. [1] In der Antwort zeigt sich, dass sie sogar ausgesprochen förderlich füreinander sind – wenn die Konzepte richtig umgesetzt werden.

Digitalisierung und Diversität – wie passt das zusammen?
diverse people in co-working space

Innovation braucht Vielfalt

Albert Einstein sagte einmal sinngemäß, dass es an Wahnsinn grenze, immer wieder die gleichen Dinge zu tun und dabei andere Ergebnisse zu erwarten. Nun war Einstein einer der bedeutendsten Physiker aller Zeiten und kein Ökonom des 21. Jahrhunderts, doch sein Grundgedanke lässt sich in einer Analogie auf die Entstehung von Innovationen übertragen. So müsste es heißen: Wo die Betrachtung eines Problems einseitig und gewohnt verläuft, da ist in der Regel keine Entwicklung eines innovativen Lösungsansatzes zu erwarten. Neues entsteht durch die Infragestellung üblicher Sichtweisen, durch die Betrachtung eines Problems aus unterschiedlichen Perspektiven, durch die Synthese verschiedener Ideen zu einer gemeinsamen Lösung. Kurz gesagt: keine Innovation ohne Vielfalt.

Einstein stand zur Entwicklung seiner innovativen Ideen sein einzigartiger, genialer Geist zur Verfügung. Natürlich nutzen auch wir unseren Verstand. Darüber hinaus greifen wir heute aber auch gerne auf die technischen Möglichkeiten zurück, die der Digitalisierung entsprungen sind, indem wir zum Beispiel im Team zusammen mit Robotern arbeiten und das Potenzial künstlicher Intelligenzen nutzen. Die Arbeitswelt wird also zunehmend digital.

Doch um mehr Diversität mit Digitalisierung zu erzielen, ist sie bereits in der Entwicklung neuer und Optimierung bestehender Systeme gefordert. Anderenfalls kann selbst die künstliche Intelligenz eine eingeschränkte Sicht auf die Welt und die Menschen aufweisen. So beruht beispielsweise „Algorithmic Bias“ auf fehlender Vielfalt in der Erstellung, Aufbereitung und Verarbeitung zugrundeliegender Daten. Das Resultat: eine Ungleichbehandlung von Nutzern. [2] Bei Einsatz im Rahmen eines Bewerbungsprozesses könnte also ein System mit Algorithmic Bias Stereotype aufrechterhalten und auf dieser Basis Entscheidungen treffen, die gravierende Folgen haben.

Diversität in Zeiten der Digitalisierung

Die Digitalisierung hat nicht nur unser Privatleben auf den Kopf gestellt, sie hat ebenso die Arbeitswelt nachhaltig und strukturell verändert. All die verfügbaren digitalen Tools machen es möglich, dass wir unsere Arbeit in vielen Fällen zu jeder Zeit und von jedem Ort erledigen können. Ein neues Maß an Flexibilität scheint erreicht, was sich unter anderem an der Entstehung von Konzepten wie New Work und dem mittlerweile allseits bekannten Homeoffice abzeichnet. Die Digitalisierung hat also aufgrund der technischen Möglichkeiten dazu beigetragen, dass neue und flexiblere Arbeitsmodelle entstanden sind, wodurch wiederum mehr Möglichkeiten für die Zusammenarbeit von diversen Menschen zur Verfügung stehen.

So hat sich im Zuge der Digitalisierung auch ein neuer Talentpool entwickelt, der für mehr Diversität in der Arbeitswelt sorgt. Beispielsweise können Menschen, die aufgrund eines Handicaps erwerbsunfähig waren, dank digitaler Assistenzsysteme wieder am Arbeitsleben teilnehmen. Darüber hinaus stellen Konferenz- und Videosysteme den Rahmen für digitale Meetings in Echtzeit, die weltumfassend stattfinden können. Besprechungen können deutlich effizienter abgehalten werden und vergrößern so den Einfluss neuer Perspektiven und Ideen.

Auf der anderen Seite steht das Risiko einer neuen Ungleichheit: Menschen ohne oder mit eingeschränktem Zugang zu den digitalen Systemen droht die Exklusion von Arbeitsprozessen und Meetings. [3] Um dem Abhilfe zu schaffen, sind identische technische Voraussetzungen zu schaffen, wenn es um die Verfügbarkeit von Endgeräten und der dazugehörigen Infrastruktur geht.

woman working remotely with her laptop

Neue Arbeitsmodelle im Aufschwung

Ob New Work, Flexibility oder das Homeoffice – all das sind keine völlig neuen Begriffe in der modernen Arbeitswelt. Doch zweifellos lässt sich sagen, dass die Initiativen seit Ausbruch der Corona-Pandemie einen regelrechten Boom erlebt haben, weil etliche Arbeitnehmer:innen von heute auf morgen das Büro gegen ihr privates Zuhause eintauschen mussten und für viele der Esstisch zum Schreibtisch wurde. Unternehmen waren daher von jetzt auf gleich dazu „gezwungen“, schnell zu reagieren, um den arbeitstechnischen Auswirkungen der Pandemie mit innovativen und flexiblen Lösungen entgegenzutreten – ein Umstand, der die Etablierung und schnelle Entwicklung flexibler Konzepte gefördert hat. Dank der verfügbaren technischen Möglichkeiten war die urplötzliche Umstellung auf „neue“ Arbeitsmodelle glücklicherweise oft gut realisierbar, sodass ein geregelter Workflow digital sichergestellt werden konnte. Insofern können die technischen Möglichkeiten im Zeitalter der Digitalisierung als ein echter Segen in Krisenzeiten angesehen werden.

Auch wurden während der Pandemie in vielen Unternehmen Teams zusammengestellt, die innovative Ideen zur Bewältigung der Krise entwickelten – in der Regel mithilfe von Videotelefonie-Tools. Gerade die Zusammenarbeit unterschiedlicher Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen erwies sich dabei als äußert förderlich für die Erarbeitung kreativer Lösungsansätze. Die Mischung macht’s eben! Weiterer positiver Nebeneffekt: Die virtuelle Zusammenarbeit von Kolleg:innen aus unterschiedlichen Positionen hat stellenweise auch zum Abbau von Hürden und Hierarchien in Unternehmen verholfen.

Neue Arbeitsmodelle, alte Rollenverteilung?

Die Pandemie wirkt also wie ein Beschleuniger auf die Konzepte New Work und Flexibility und fördert dadurch die Vielfalt in der Wirtschaft. Aufgrund des großen Anklangs, den die „neuentdeckten“ Modelle derzeit finden, wird auch nach der Pandemie davon auszugehen sein, dass viele Arbeitnehmer:innen zumindest teilweise das Büro gegen das Homeoffice eintauschen. Aus diesem Grund ist die pandemiebedingte Entwicklung der flexiblen Arbeitsmodelle weniger als ein temporärer Trend, sondern vielmehr als eine langfriste Umstrukturierung zu betrachten.

In der durch die Corona-Pandemie vorangetriebenen Remote-Arbeit liegen sowohl Chancen als auch Risiken. So hat etwa die plötzliche Umstellung auf das Arbeiten im Homeoffice dazu geführt, dass zahlreiche Frauen aus dem Büroalltag gerissen und schlagartig ins häusliche Umfeld katapultiert wurden – ein Rückschritt in Sachen Gender-Diversität und Gleichberechtigung?

Es mag zwar sein, dass durch die Arbeit in den eigenen vier Wänden kurzfristig tradierte Geschlechterrollen wieder aufgenommen oder verstärkt wurden, doch je mehr die Digitalisierung voranschreitet und neue Formen der Teilhabe an der Arbeit entstehen, desto weniger dürften veraltete Rollenklischees von Relevanz sein. In jedem Fall wird deutlich, dass vor diesem Hintergrund noch Handlungsbedarf herrscht, um Rollenklischees zu überwinden. Es müssen definitiv zeitgemäße Modelle etabliert werden, die neue Möglichkeiten der Vereinbarkeit zwischen Homeoffice und Privatleben schaffen – und zwar für alle.

 

[1] Georgiadou, A./Olivas-Luján, M./Stone, D./Bondarouk, T. (2020): Special issue call for papers: inclusion/exclusion in the digitalized workplace. In: Human Resource Management Journal.

[2] Rastetter, D. (2020): Diversity – Diskriminierung – Digitalisierung: Kann digitalisierte Arbeit Diskriminierung abbauen und Diversity fördern? In: Frieß, W./Mucha, A/Rastetter, D. (Hg.): Diversity Management und seine Kontexte. Celebrate Diversity? Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich, 159–172.

[3] DiMaggio, P./Hargittai, E./Celeste, C./Shafer, S. (2004): From unequal access to differentiated use: A literature review and agenda for research on digital inequality. In: Neckerman, K. (Hg.): Social Inequality. New York: Russell Sage Foundation, 355-400.

the start for digitization and diversity

Digitalisierung und Diversität: Ein Anfang muss gemacht werden

Der Einsatz von digitalen Systemen wie Videotelefonie, Cloud Servern oder künstlicher Intelligenz kann ein hilfreiches Werkzeug sein, um Ungleichheiten abzubauen und Stereotype zu überwinden. Doch schon vor ihrer Anwendung müssen Inklusion und Vielfalt gelebt werden: Als Bestandteil des Entwicklerteams, in der Datensammlung und -aufbereitung beteiligt und mit identischen technischen Voraussetzungen können Menschen aller Personengruppen gleichberechtigt von der Digitalisierung profitieren und sie vorteilhaft nutzen.

Erfahren Sie hier, wie die IT von mehr Diversität profitiert und wie wir dazu beitragen möchten

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