Was wir mit generativer KI alles erreichen können

Haben Sie schon einmal ChatGPT genutzt, um eine Party zu planen? Oder Midjourney gebeten, Ihr Haustier im Stil der Mona Lisa zu illustrieren? Vielleicht hat Gemini für Sie schon den perfekten Kinderwitz generiert. Solche Beispiele zeigen, wie unterhaltsam und produktiv generative KI im Alltag sein kann. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wie können Unternehmen dieses Potenzial nutzen, um ihre Arbeit effizienter, innovativer und nachhaltiger zu gestalten?

Adrian Kostrz | Oktober 2, 2025 | 7 min
Generative KI-Chatbot-Symbole auf futuristischem Hintergrund.

Wie NTT DATA Business Solutions generative KI einsetzt

Wir wissen: Tools wie ChatGPT können Texte zusammenfassen, Fragen beantworten oder Code generieren. Für den professionellen Einsatz braucht es aber mehr – vor allem Modelle, die mit internen Daten arbeiten, sichere und nachvollziehbare Antworten liefern und sich flexibel in bestehende Systeme integrieren lassen.

In diesem Blogbeitrag zeigen wir Ihnen anhand konkreter Beispiele, wie NTT DATA Business Solutions generative KI einsetzt – sowohl zur Steigerung der Effizienz im eigenen Unternehmen als auch zur Entwicklung neuer Produkte. Ausserdem klären wir mit gängigen Missverständnissen über generative KI auf und geben Einblicke in aktuelle Projekte, die auf grossen Sprachmodellen (LLMs) basieren.

Einen besseren Nachhaltigkeitsbericht erstellen

Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sind Unternehmen in der EU verpflichtet, umfassend über ihre Nachhaltigkeit zu berichten. Ziel ist es, ESG-Daten (Environment, Social, Governance) zu standardisieren und vergleichbar zu machen. In der Praxis bedeutet das: mehr als 80 Kennzahlen müssen dokumentiert werden – von Energieverbrauch und CO₂-Emissionen bis hin zu Diversity- und Gleichstellungsinitiativen.

Als Anbieter von Datenlösungen sind natürlich fast alle unsere Geschäftsinformationen in der Cloud gespeichert, aber die Suche nach den richtigen Daten und die Erstellung des Berichts können dennoch sehr zeitaufwändig sein. Unsere Herausforderung besteht also darin, diesen Prozess so effizient wie möglich zu gestalten. Schliesslich möchten wir unsere Zeit nicht in Verwaltung, sondern in die aktive Verbesserung unserer Nachhaltigkeit investieren.

Graphical visualization of KPI extraction and explanation for CSRD reporting using artificial intelligence.

KPI-Extraktion, Visualisierung und Erklärung

Obwohl unsere Geschäftsdaten in der Cloud liegen, ist das Zusammenstellen der Informationen für den CSRD-Bericht zeitaufwändig. Unsere Lösung: ein generatives KI-Tool, das die relevanten Daten automatisiert extrahiert, strukturiert und ergänzt.

Das Besondere:

  • Daten werden direkt aus Quellen wie PDFs, Datenbanken oder Präsentationen gezogen

  • Das Tool erstellt Vorschläge für qualitative Antworten und zitiert dabei immer die Originalquelle – inklusive Dokument und Seitenzahl

  • Wenn Informationen fehlen, weist das System darauf hin, statt zu spekulieren

  • Ein LLM prüft das 300-seitige CSRD-Dokument und zeigt, welche KPIs für das jeweilige Unternehmen wirklich relevant sind

So sparen Unternehmen wertvolle Zeit für Administration und können sich stärker auf ihre eigentlichen Nachhaltigkeitsinitiativen konzentrieren.

Ein digitaler Copilot für Mitarbeiter:innen

Onboarding ist heute komplexer denn je – hybride Arbeit, neue Tools und ständig aktualisierte Software erschweren den Einstieg. Um neue Kolleg:innen zu entlasten und Onboarding-Buddys zu unterstützen, hat unser Schwesterunternehmen GoodGPT entwickelt: einen digitalen Copiloten, der Fragen in natürlicher Sprache versteht und präzise beantwortet.

GoodGPT unterstützt nicht nur beim Einstieg ins Unternehmen (z. B. Urlaubsregelungen, Reisekosten), sondern hilft auch erfahrenen Mitarbeiter:innen. Gerade bei unserer SAP-Software, die regelmässig aktualisiert wird, beschleunigt GoodGPT den Zugang zu neuem Wissen: Statt sich durch lange Handbücher oder Videos zu kämpfen, erhalten Kolleg:innen sofort eine verständliche Antwort – jederzeit und im richtigen Kontext.

Das Ergebnis: weniger Frust, mehr Effizienz und ein deutlich verbessertes Mitarbeitererlebnis.

Erleichterung für unsere Entwickler:innen

Viele Kund:innen migrieren aktuell auf SAP S/4HANA. Dabei müssen enorme Mengen an Code überprüft und angepasst werden. Klassische Migrationen bedeuten hunderte Stunden Entwicklungsarbeit in einer speziellen Sprache wie ABAP.

Dank der generativen KI sind diese Aufgaben, die früher grösstenteils manuell durchgeführt wurden, heute weitgehend automatisiert. Da wir bereits Tausende von SAP-Transformationen durchgeführt haben, verfügen wir über eine riesige Bibliothek mit alten und neuen Code-Basen, die unser LLM analysieren kann. Durch den Vergleich des vorherigen und des nachfolgenden Codes in jeder Transformation kann unser Tool Muster finden und lernen, welcher Code zu implementieren ist. Jetzt können unsere Ingenieure grosse Codeabschnitte hochladen und einen Grossteil des Rewritings für sich erledigen lassen, so dass nur noch die Aufgabe der Codevalidierung und der anspruchsvolleren Problemlösung übrig bleibt.

Grafik zur Veranschaulichung der Vorteile generativer KI.

Weitere Einsatzbereiche von generativer KI

Neben diesen Projekten erforschen und nutzen wir generative KI in vielen weiteren Szenarien:

  • Prozesse: Automatisierung und Optimierung von Abläufen

  • Analytics & Entscheidungen: Höhere Datenqualität, bessere Prognosen, fundierte Entscheidungen

  • Entwicklung: Codegenerierung auf Basis natürlicher Sprache

  • Interaktion: Virtuelle Assistenten und natürlichere Nutzererfahrungen

  • Finanzwesen: Risikobewertungen bei Investitionen

  • Cybersecurity: Erkennung von Anomalien und Malware-Mustern

  • Prädiktive Wartung: Vorhersage von Ausfällen mit IoT-Daten

Generative KI ersetzt keine Arbeitsplätze pauschal, sondern verändert sie. Neue Rollen entstehen, in denen Kreativität, Datenkompetenz und kritisches Denken noch wichtiger sind.

Generative KI wird oft als möglicher „Jobkiller“ bezeichnet, eröffnet aber gleichzeitig neue Berufsfelder und schafft Arbeitsplätze mit noch attraktiveren Perspektiven. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Technologie bestmöglich zu verstehen und verantwortungsvoll einzusetzen, um die Zukunft aktiv zu gestalten, in der wir arbeiten und leben wollen.

Adrian Kostrz Innovation Manager bei NTT DATA Business Solutions

Herausforderungen der generativen KI

Nachdem wir Sie hoffentlich mit einigen Beispielen inspiriert haben, möchten wir nun die wichtigsten Herausforderungen beleuchten, die bei der Einführung KI-gestützter Tools auf Unternehmensebene auftreten können.

Modelle mit den richtigen Daten trainieren

Chatbasierte LLMs wie ChatGPT, Gemini (ehemals Bard) und andere liefern beeindruckend präzise Antworten. Naheliegend ist daher die Annahme, dass ein internes Tool in einem Unternehmen dieselbe Qualität bieten könnte. Doch ein Modell ist immer nur so gut wie die Daten, mit denen es trainiert wird.

In der Praxis mussten wir uns mit Fragen wie diesen auseinandersetzen:

  • Wie lassen sich Unternehmensdaten sicher crawlen und dem Modell zugänglich machen?

  • Können wir darauf vertrauen, dass Inhalte in verschiedenen Sprachen korrekt interpretiert und übersetzt werden?

  • Wie geht das Modell mit unterschiedlichen Währungen oder Zahlenformaten um?

  • Mit welchen Plattformen und Protokollen (CRM, ERP, E-Mail etc.) soll die Lösung verbunden werden?

Ein leistungsstarkes Modell ist kein Ersatz für gut organisierte, strukturierte Daten. Deshalb setzen wir klar auf kundenspezifische Implementierungen anstelle von Standardlösungen. Denn es braucht intensive Abstimmungen – vom Projektteam bis zum Vorstand –, um eine Lösung zu schaffen, die genau die Flexibilität und Anpassung ermöglicht, die Unternehmen benötigen.

Privatsphäre schützen

Natürlich wäre es ideal, wenn ein LLM alle internen Daten durchsuchen könnte. Doch sensible Informationen wie Gehaltsdaten oder personenbezogene Daten machen klare Schutzmassnahmen erforderlich.

Daraus ergeben sich wichtige Fragen:

  • Soll das Tool Zugriff auf vertrauliche Informationen erhalten?

  • Wie stellen wir sicher, dass sensible Daten nicht versehentlich weitergegeben werden?

  • Müssen alle Nutzeranfragen protokolliert werden, oder sollen sie verschlüsselt und anonym bleiben?

In unserer Entwicklung haben wir uns bewusst für ein Gleichgewicht entschieden: Fortschritt ermöglichen, ohne die Datensicherheit zu gefährden. Wir haben ein Mass an Überwachung eingeführt, das Vertrauen schafft, ohne die Akzeptanz zu hemmen. In anderen Projekten kann eine detaillierte Protokollierung sinnvoll sein, um Interaktionen auszuwerten und das Modell gezielt zu verbessern.

Kreativität und Autonomie bewahren

Wir alle kennen die Geschichten von Autofahrer:innen, die sich blind auf ihr Navi verlassen und im Feld landen. Genauso wenig darf man sich unkritisch auf KI-Ergebnisse stützen. Unternehmenslösungen benötigen daher stets eine integrierte Verifikationsmethode.

Auch Kreativität darf nicht ersetzt werden. Generative KI eignet sich hervorragend, um Ideen zu ergänzen, Inspiration zu liefern oder Illustrationen zu erstellen. Doch führende Unternehmen nutzen diese Ergebnisse nur als Ausgangspunkt. Am Ende gilt: LLMs prognostizieren das „wahrscheinlichste nächste Wort“ – sie sind Werkzeuge des Durchschnitts. Ohne menschliche Kreativität und kritische Bewertung bleibt das Ergebnis unvollständig.

Verstärkung bestehender Vorurteile

Ein weiteres Risiko ist die Reproduktion von Bias. KI spiegelt die Voreingenommenheiten wider, die in den Trainingsdaten enthalten sind. Dokumentationen wie Coded Bias (Netflix) oder The A.I. Dilemma (Center for Humane Technology, 2023) haben diese Problematik eindrücklich aufgezeigt und zur Debatte über Regulierung, u. a. in den USA, beigetragen.

Die Lehre daraus: Statt zu hoffen, dass Vorurteile vollständig eliminiert werden, ist es unsere Aufgabe, Ergebnisse kritisch zu prüfen und mit menschlichem Urteilsvermögen zu bewerten.

Missverständnisse über generative KI

LLMs müssen keine Blackboxen sein

Auch wenn der exakte Entstehungsprozess einer Antwort nicht transparent ist, bedeutet das nicht, dass LLMs keine Quellen benennen können. Wie in unserem Beispiel des Nachhaltigkeitsberichts gezeigt, lassen sich Antworten nachvollziehbar mit Quellenangaben versehen. Bei kundenspezifisch entwickelten Lösungen bleiben Algorithmen und Trainingsdaten zudem im Besitz des Unternehmens.

GenKI-Tools sind eine Investition – kein Plug & Play

Generative KI ist keine Technologie, die einfach per App-Download oder SaaS-Abonnement umfassend implementiert werden kann. Sie erfordert Investitionen – in Know-how, in Datenqualität und in die richtige Strategie.

Grossunternehmen verfügen häufig bereits über wertvolles technisches Fachwissen, z. B. im Datenbankaufbau oder im Training von Modellen. Statt zusätzliche Entwickler:innen einzustellen, kann es sinnvoller sein, vorhandene Kompetenzen zu nutzen und gezielt durch spezialisierte Profile wie Data Scientists zu ergänzen. Eine durchdachte Ressourcenstrategie wirkt sich direkt auf die Effizienz und die Kosten der Implementierung aus.

Erfahren Sie mehr

Bei NTT DATA Business Solutions sind wir überzeugt: Generative KI ist eine revolutionäre Technologie, aber nur dann, wenn sie verantwortungsvoll eingesetzt wird. Wir sehen unsere Aufgabe darin, Potenziale für Unternehmen nutzbar zu machen, ohne Risiken aus dem Blick zu verlieren.

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