Wenn isolierte Modelle nicht funktionieren – was dann?
Aus meiner Erfahrung heraus ist erfolgreiche Innovation nicht das Ergebnis eines einzelnen brillanten Geistes, sondern das Produkt eines sorgfältig aufgebauten Ökosystems. Mit unbegrenzten finanziellen Mitteln ist vieles möglich. Doch wenn Ressourcen begrenzt sind und Ergebnisse unsicher, hängt der Erfolg davon ab, die richtigen Akteur:innen an einen Tisch zu bringen. Je weniger der folgenden Elemente vorhanden sind, desto höher ist das Risiko des Scheiterns – oder zumindest das Risiko, lediglich ein eher durchschnittliches Ergebnis zu erzielen.
Ich habe dieses Ökosystem in mehreren Projekten erlebt, die ich begleiten durfte, darunter PARSONII und Waddi (Green Nudging). Keines dieser Projekte wäre ohne die folgenden Bestandteile möglich gewesen:
1. Die visionäre Kund:in
Hier beginnt alles. Ein erfolgreiches Co-Innovationsprojekt erfordert eine Kund:in, die Technologie nicht nur als Kostenfaktor versteht, sondern als zentralen Treiber zukünftiger Wettbewerbsvorteile. Diese Kund:innen sind bereit, sich strategisch einzubringen, ihre zentralen geschäftlichen Herausforderungen offen zu teilen und den Mut aufzubringen, bestehende Prozesse zu hinterfragen. Sie kommen nicht mit einer vordefinierten Lösung zu uns, sondern mit einem kritischen Geschäftsproblem, das es zu lösen gilt.
Manchmal kann es auch umgekehrt sein: Wenn wir die Geschäftsstrategie gut kennen, melden wir uns Jahre später mit einer neuen Technologie oder einer Hypothese und fragen: «Möchten wir das gemeinsam ausprobieren?»
2. Der engagierte Lösungspartner (NTT DATA)
Unsere Rolle geht weit über das Schreiben von Code oder das Management eines Projekts hinaus. Als engagierter Partner bringen wir unsere globalen F&E-Erkenntnisse ein. Wir suchen aktiv nach einer Übereinstimmung zwischen den strategischen Anforderungen unserer Kund:innen und unseren Technology Focus Areas (TFAs). Wenn diese Synergie gegeben ist, sind wir bereit, eigene Ressourcen, Expertise und auch finanzielle Mittel zu investieren. Wir teilen das Risiko, weil wir an den gemeinsamen Mehrwert glauben. Wir sind nicht nur ein globales Beratungsunternehmen – wir sind Mitgestalter von Innovation.
3. Der Technologiepartner
In der heutigen Welt wird nicht mehr alles von Grund auf neu entwickelt. Hier kommen Hyperscaler wie Microsoft, Google oder AWS ins Spiel. Wir arbeiten mit Technologiepartnern zusammen, die daran interessiert sind, ihre Services und Fähigkeiten auf neue Weise zu kombinieren. Sie liefern oft entscheidende technische Unterstützung, Expertise und teilweise auch finanzielle Beiträge, da unsere Leuchtturmprojekte das Innovationspotenzial ihrer Plattformen sichtbar machen.
4. Der richtige Zeitpunkt (der «Zeitgeist»)
Eine Idee kann brillant sein und dennoch scheitern, wenn sie zu früh oder zu spät kommt. Der ideale Zeitpunkt liegt in der Ausrichtung auf grosse sozio-technologische Trends. Häufig orientieren wir uns am Gartner Hype Cycle: Die grundlegende Technologie hat den Weg aus der Forschung in die Praxis gefunden, ihr voller Mehrwert ist jedoch noch nicht bewiesen, und es existieren noch keine Standardlösungen von der Stange. Genau hier entsteht der Raum, in dem echte Innovation gedeihen kann.
5. Der Verstärkungsfaktor (Marketing & PR)
Viele Projekte betrachten Marketing als nachgelagerten Schritt – etwas, das erst nach Abschluss der eigentlichen Arbeit erfolgt. Das ist eine verpasste Chance. Werden Marketing und Kommunikation von Anfang an eingebunden, kann ein Projekt zu einem Leuchtturm für die gesamte Branche werden. Es entstehen starke interne und externe Geschichten, neue Impulse durch den Austausch, und Dynamik baut sich auf. Nicht selten erkennt eine potenzielle zweite Kund:in eine Anwendungsmöglichkeit, an die das ursprüngliche Projektteam noch gar nicht gedacht hatte.
6. (Optional, aber wirkungsvoll) Der Wissenspartner
Nicht immer notwendig, aber oft sehr wertvoll: die Einbindung einer akademischen Institution oder einer NGO. Sie können die Einführung der Technologie unabhängig untersuchen, reale Auswirkungen messen und eine objektive Analyse liefern. Das schafft zusätzliche Glaubwürdigkeit und wissenschaftliche Tiefe – zum Vorteil aller Beteiligten im Ökosystem.
An dieser Stelle lassen sich Projekte wie PARSONII und Waddi gut als Beispiele anführen, wie dieses Ökosystem in der Praxis funktioniert.